Sonntag, 9. April 2017

Chillen in Senf ...

Dringend benötigt wurde eine Rumgammel-Hose für den Herrn des Hauses. Schließlich muss nach Baustellenschluss ordentlich rumgeflätzt werden. Der senffarbene "wattiert-gesteppt" von Lillestoff (die Farbe heißt eigentlich Karamell, aber ich finds sehr senfig) lag schon ein Weilchen im Stoffregal, weil mir das passende Projekt dafür fehlte. Das Material passt wunderbar für diese Zwecke, deutlich fester als Jersey aber nicht so warm wie Sweat. Einzig die Tatsache, dass der Stoff nach mehrmaligen Tragen etwas beult ist ein kleines Manko - nach der Wäsche sieht die Hose allerdings wieder aus wie neu. 

Der Schnitt ist Mr. Haven von Mialuna in Größe S, allerdings 10 Zentimeter verlängert und mit Bündchen abgeschlossen. Die Hose ist recht fix genäht mit einer Passe am Po und zwei Taschen. Ansonsten kein SchnickSchnack außer die Paspel an den Tasche. Die Ösen habe ich mit SnapPap hinterlegt und statt einer Kordel selbstgemachtes T-Shirt-Garn eingezogen. 
Ich habe sehr lange auch zu der Fraktion "Alte-abgetragene-Kleidung-für-Zuhause" gehört und für die Baustelle ist das immer noch wunderbar, allerdings finde ich es mittlweile schöner "Qualitiy-Time" zuhause auch in "Quality-Kleidung" zu verbringen - in schöner Kleidung chillt es sich doch einfach besser. Das gilt übrigens auch fürs Schlafen. Und am Besten eben auch noch selbstgenäht und aus vernünftig hergestellten Material - so muss das. 
Und wenn ich mich nicht damit disqualifizieren würde, dass das genähte Stück nicht für mich ist - würde es perfekt zu Selmins Aprilfarbe Gelb der 12 Colours of Handmade Fashion Aktion passen. Deshalb darf der Post auch jetzt schon online gehen. Aber mal sehen, vielleicht springt für mich in diesem Monat auch noch was Gelbes von der Nadel. 

Stoff: wattiert-gesteppt von Lillestoff, SnapPap, Bündchen aus dem Stoffladen vor Ort 

Dienstag, 14. März 2017

Ich näh Bio - oder ich lass nähen

Das Kimono Tee von Maria Denmark habe ich schon rauf und runter genäht - für mich, verlängert als Schlafi-Oberteil, für meine Mama zum Yoga, fürs Schwesterchen ... Ich mag den Schnitt sehr gerne, trotz simpler Schnittführung sitzt das Teil und lässt sich herrlich variieren. 
Als L. einen ersten Ausflug an der Nähmaschine bzw. Overlock machen wollte, fand ich das Kimono Tee eigne sich wunderbar als Anfängerprojekt. Zielsicher wurde ein schon lange gehütetes Stoffschätzchen aus meinem Schrank ausgesucht, der sich super als Shirt-Rückseite macht. L. hat alles selber gemacht, ich hab erklärt - und auch sonst ganz schön viel gequatscht- und manchmal einen Handgriff gezeigt, lediglich das Halsbündchen hab ich dann angenäht - das ist ein wenig tricky für jemanden, der zum ersten Mal an einer Overlock sitzt. 
Trotz ein wenig krummer Schulternähte und ein paar Dates mit dem Nahtauftrenner ist das Projekt wunderbar gelungen und meine "Nähschülerin" hat nach etwa 4 Stunden konzentrierter Arbeit stolz das Nähzimmer verlassen. Erkenntnis des Tages: Jeder sollte als Gegenpol zum Fast-Fashion-Mainstream mal ein Tshirt genäht haben, um zu merken, dass da ganz schön viel Zeit, Arbeit und Haareraufen drinsteckt. Und ja, selber nähen geht auch nicht für 4,90€ das Shirt, wenn man vernünftig produzierte Stoffe kauft - selbst dann nicht, wenn man die eigene Arbeitszeit nicht einberechnet. Das war ein wunderbar konsumkritischer Nähnachmittag - quasi Bildung und Handwerk, so mag ich das! 
L. hat mir dann auch gleich noch Tragefotos zukommen lassen - das hatte ich total vergessen und ohnehin wärs schon viel zu dunkel dafür gewesen. Danke fürs zur Verfügung stellen! 
Das hat Spaß gemacht, gerne mehr davon! 

Schnitt: Kimono Tee von Maria Denmark, Freebook
Stoff: Me von enemenemeins & Lillestoff, grau-melierter Jersey von Lillestoff
Verlinkt bei: Ich näh Bio

Donnerstag, 2. März 2017

Auf Wiedersehen Winter - du brauchst auch garnicht wieder kommen

Der Winter scheint so langsam ein Ende zu finden und in mir kehrt sowas wie Leben zurück. Ich bin definitiv in der falschen Klimazone geboren und so überhaupt kein Wintermensch. Alles unter 10 Grad führt zu dem massiven Bedürfnis mich Einzuigeln und am Besten das Haus garnicht zu verlassen, aber drinnen krieg ich dann auch nicht so wirklich was auf die Kette. Die paar Tage mit strahlendem Sonnenschein, Schnee und klirrender Kälte reißen das dann auch nicht wirklich raus. 
Seit unserem Hauskauf im Juli und dem Umzug im Oktober ist auf unserem Grundstück nicht so wahnsinnig viel passiert. Im November mussten ein paar Nadelbäume weichen um Platz für die Bio-Kläranlage zu schaffen, die in den nächsten Wochen eingebaut werden soll. Gefühlt stand seitdem draußen alles still und gefühlt liegt auch seitdem Schnee. Aber langsam haben sich die Schneeberge gelichtet und die Sonnentage haben zu einer massiven Gartenmotivation geführt. Ob wir um Zuge der Sanierung eigentlich überhaupt Zeit für einen Garten haben, weiß ich garnicht und so wirklich haben wir uns die Frage auch nicht gestellt. Garten muss einfach sein - jetzt wo wir so viel Fläche haben und nicht mehr auf den Anbau in Hochbeeten und Kästen angewiesen sind will ich unbedingt loslegen. Hier dürfen bald Beetflächen entstehen, darauf freue ich mich schon sehr. 
Die ersten Sonnenstrahlen habe ich genutzt um die ersten Samen einzusetzen, die jetzt im Wohnzimmer auf dem Fensterbrett stehen - mittlerweile schauen auch schon die ersten grünen Spitzen raus. Meine Samensortierung in einem Karteikastensystem nach Monaten hat sich in den letzten Jahren absolut bewährt - so weiß ich was im jeweiligen Monat dran ist und muss mich nicht durch hunderte Tütchen wühlen. Ganz vorne in der Kiste lagern das Saatgut, das ständig nachgesäät werden kann. Für mich funktioniert das prima und System und gut Aufgeräumt macht mich ja generell glücklich. 


Das Holz haben wir auch aufgeräumt, aus den gefällten Bäumen ist ein schöner Stapel geworden. Das darf jetzt vor sich hintrocknen, bis wir irgendwann mal Öfen eingebaut haben und im Winter vor knisterndem Feuer sitzen können - aber das ist vermutlich noch ein Weilchen hin. 


Habt es schön, 
Fini 

Sonntag, 19. Februar 2017

Über Alter Egos und Reiskuchenmänner

Ich finde, jeder sollte ein Alter Ego haben. Eine andere Rolle einnehmen, einen anderen Blickwinkel oder auch der Welt einfach mal ungeschönt ins Gesicht sagen, was man so richtig schei**e findet. Leider habe ich mein Alter Ego noch nicht gefunden, aber ich hab mal mit einem zusammen gewohnt. Zu WG-Zeiten wohnten nämlich nicht nur meine drei Jungs mit mir zusammen, sondern eben auch der Reiskuchenmann. Das ist ein ganz besonderer Kerl - der zeigt sich normalerweise nur auf Papier und kann ganz schön obszön, sehr proletenhaft und unverschämt sein. Der Reiskuchenmann schimpft gerne über und mit der Welt und mischt sich ins politische Tagesgeschehen ein. Ein eigenwilliger kleiner Mann, der durchaus auch recht philosophisch sein kann und der mit Vorliebe seine Outfits -oft passend zu dem, was er zu sagen hat- wechselt. 

Nun leben wir schon ein paar Jahre nicht mehr zusammen und manchmal fehlt er mir schon, der kleine Mann, der gerne Nachts auf unserem Küchentisch aufgetaucht ist.  Der Reiskuchenmann ist natürlich meinem ehemaligen Mitbewohner gefolgt (ist ja schließlich auch sein Alter Ego und nicht meins). Und weil der einen runden Geburtstag gefeiert hat, musste etwas persönliches, reiskuchenmanniges her. Geworden ist es ein ganz schlichtes Täschchen aus einer Jeans, gefüttert mit einem Rest gestreifter Baumwolle aus Indien. Den Reiskuchenmann hab ich per Hand aufgestickt, das ging relativ fix und hat sich als recht meditative Arbeit herausgestellt. Sollte ich vielleicht öfter mal machen. Es gäbe auch noch ganz viele Reiskuchenmänner, die sich dazu eignen würden. Hier hat sich der Reiskuchenmann-Sheriff niedergelassen - nur echt mit Grashalm, Hut und Colt. Auf den Bildern sieht man sogar noch die Reste der rosa Schneiderkreide mit der ich mir Markierungen gemacht habe - ups. 



Verschenkt ist das Täschchen bereits eine Weile und definitiv jetzt in den besten Händen. 

Stoff: Jeans, Reststück aus Indien 
Schnitt: von mir 

Montag, 6. Februar 2017

Reduce your waste #1: Abschminkpads aus Stoff

Kolkatta, India, 2012
Dass wir viel zu viel Müll produzieren von dem teilweise niemand weiß, wie wir ihn wieder loswerden sollen, ist keine neue Info. Dass unsere Meere voll mit Plastik sind , welches dort immensen Schaden anrichtet, auch nicht. Dass das Prinzip Wegwerfgesellschaft zur Müllproblematik einen großen Beitrag leistet, ist ebenso nichts Neues. Die Liste warum und wie genau die Produktion von Müll ein großes Thema ist, könnte an dieser Stelle (leider) beliebig weiter geführt werden. 
Vor allem mein Jahr in Indien und Südostasien hat diese Thematik für mich sehr greifbar gemacht. Immerhin leben wir in einem Land, in dem der Müll zumindest fein säuberlich getrennt, abgeholt, gelagert, verbrannt oder im Idealfall recycelt wird. In vielen anderen Ländern sieht das leider anders aus. Doch obwohl der Müll, den wir produzieren, uns nicht ständig vor Augen geführt wird, halte ich es doch für unbedingt notwendig, dass wir unser Verhalten hinterfragen. Denn das Prinzip "Aus den Augen - aus dem Sinn" ist in keinem Fall ein Nachhaltiges. 
Deshalb versuche ich schon seit geraumer Zeit meinen privaten Müllkonsum zu reduzieren, Rohstoffe nach Möglichkeit mehrfach zu verwenden und umzunutzen. In vielen kleinen und großen Schritten geht es den verschiedensten Alltagsbereichen an den Kragen - daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen und vielleicht kann der eine oder andere Beitrag eine Inspirationsquelle für euch sein. 
Heute geht es im Badezimmer los, das vermutlich in vielen Haushalten in puncto Müllproduktion ganz vorne mit dabei ist. Bis jetzt habe ich Abschminkpads aus Bio-Baumwolle benutzt, die für mich in zwei Punkten einen blöden Beigeschmack hatten. Zum einen sind sie in Plastik verpackt und zum anderen finde ich es schwachsinnig einen so hochwertig produzierten Rohstoff wie Bio-Baumwolle (auch wenn bio sicherlich der konventionellen Herstellung vorzuziehen ist) für ein Produkt zu "verschwenden", das in den meisten Fällen nicht einmal eine Minute lang benutzt wird und dann im Mülleimer landet. 


Jetzt habe ich mir einen Satz waschbarer Abschminkpads mit passendem Körbchen und kleinem Beutelchen für unterwegs genäht und bin super zufrieden mit meiner Lösung. Dieses Projekt habe ich gleichzeitig dazu genutzt meine Stoffrestekiste ein wenig zu entschlacken. Die Abschminkpads habe ich aus der Rückseite eines ganz kuscheligen Sweats und Jersey- und Baumwollresten genäht. Materialtechnisch geht da, glaube ich ganz vieles, wichtig ist nur, dass die "Abschminkseite" der Pads aus einem angerauten Material besteht und sich angenehm auf der Haut anfühlt. Weicher Frottee geht sicher auch wunderbar. Für das Körbchen musste eine alte Jeans und der Rest einen T-Shirts dran glauben. 
Ich wasche die Pads in einem Wäschenetz mit der normalen 40 Grad Wäsche, das funktioniert super. Ein paar dieser Sets sind bereits im Freundeskreis nachgeordert worden. 
Und ihr so? 

Schnitte: alle von mir 
Stoff: Jersey, Baumwolle und Sweat aus der Restekiste 

Mittwoch, 25. Januar 2017

Cordula, ach Cordula ....

Seit ich begonnen habe Kleidung zu nähen und dabei ein Level erreicht habe, dass die genähten Teile durchaus auch öffentlichkeitsfähig sind, verschenke ich sehr gerne selbstgenähte Kleidung. Manchmal ist es etwas abenteuerlich an die Maße des oder der Beschenkten zu kommen, ohne dass die Person gleich Verdacht schöpft - mittlerweile habe ich aber eine ganz ordentliche Sammlung an Maßen lieber Menschen beisammen.
Kleidung aus alten Stoffen herzustellen finde ich allerdings gar nicht so einfach - ich bekomme aus meinem Freundes- und Familienkreis regelmäßig Kisten mit nicht mehr geliebten Textilien um diese weiter zu verarbeiten. Allerdings ist Jerseykleidung oft so abgetragen, dass es nur noch zur Herstellung von T-shirt-Garn taugt. Wenn die Qualität der Jerseys noch in Ordnung ist, stehe ich oft vor der Problematik, dass sich lediglich Kinderschnitte oder Kleinteile wie Mützen oder Loops daraus realisieren lassen. Klar gäbe es die Möglichkeit aus den Jerseysachen Patchworkprojekte zusammenzuschneiden, allerdings ist Patchwork was Kleidung betrifft nicht so wirklich mein Ding.
Deshalb verarbeite ich gerne nicht dehnbare Materialien zu neuer Kleidung. Ein Schnittmuster, das wunderbar für die Verarbeitung von alten Textilien zu neuer Kleidung taugt ist das Freebook Cordula von p.s.handmade. Ich liebe ja Alltags-Rockschnitte in A-Linie mit bequemen Bund und Taschen und deshalb verschenke ich Cordula auch total gerne.
Entstanden ist im letzten Jahr eine Cordula für meine Mama - der dunkelblaue Stoff ist eine Art Waffelpique und war mal eine Tagesdecke, den gestreiften Stoff habe ich aus einer Kinderhose geschnippelt und das Bündchen war mal ein T-Shirt. Stückchenweise kommen also doch manchmal abgelegte Jerseyteile zum Einsatz. Der Rock ist schon eine Weile im Einsatz und wird gerne und regelmäßig getragen. Mama meinte dazu: "Weißt du, das ist so ein Teil, da schlüpfst du rein und weißt gleich: darin fühl ich mich wohl" - ein schöneres Kompliment für ein Geschenk kann ich eigentlich garnicht bekommen!

Die zweite Cordula war ein Weihnachtsgeschenk für eine liebe Freundin und ist aus lang gestreichelten Baumwollstoffen aus Indien entstanden - und weil wir uns in Indien kennengelernt haben, waren die als Stoffauswahl perfekt. Die Stoffe sind eigentlich Grundlage für die traditionelle Chudidar sind, also kein echtes Upcycling-Projekt. Ich liebe diese Farben und sie passen wunderbar zu dem beschenkten Menschen. Als Bündchenstoff durte mal wieder ein T-shirt dran glauben, den Futterstoff habe ich aus einem alten Trachtenrock geklaut.

Die Welt braucht mehr Cordulas - und das waren garantiert nicht meine Letzten. Tatsächlich trage ich selbst auch gerade eine. Sollte sich irgendwann mal ein Zeitfenster auftun, dann bekommt ihr auch Bilder davon.

Stoff: Tagesdecke, T-Shirts, Kinderhose & Rockfutter (alles upcycling), Chudidarmaterial aus Indien