Sonntag, 19. Februar 2017

Über Alter Egos und Reiskuchenmänner

Ich finde, jeder sollte ein Alter Ego haben. Eine andere Rolle einnehmen, einen anderen Blickwinkel oder auch der Welt einfach mal ungeschönt ins Gesicht sagen, was man so richtig schei**e findet. Leider habe ich mein Alter Ego noch nicht gefunden, aber ich hab mal mit einem zusammen gewohnt. Zu WG-Zeiten wohnten nämlich nicht nur meine drei Jungs mit mir zusammen, sondern eben auch der Reiskuchenmann. Das ist ein ganz besonderer Kerl - der zeigt sich normalerweise nur auf Papier und kann ganz schön obszön, sehr proletenhaft und unverschämt sein. Der Reiskuchenmann schimpft gerne über und mit der Welt und mischt sich ins politische Tagesgeschehen ein. Ein eigenwilliger kleiner Mann, der durchaus auch recht philosophisch sein kann und der mit Vorliebe seine Outfits -oft passend zu dem, was er zu sagen hat- wechselt. 

Nun leben wir schon ein paar Jahre nicht mehr zusammen und manchmal fehlt er mir schon, der kleine Mann, der gerne Nachts auf unserem Küchentisch aufgetaucht ist.  Der Reiskuchenmann ist natürlich meinem ehemaligen Mitbewohner gefolgt (ist ja schließlich auch sein Alter Ego und nicht meins). Und weil der einen runden Geburtstag gefeiert hat, musste etwas persönliches, reiskuchenmanniges her. Geworden ist es ein ganz schlichtes Täschchen aus einer Jeans, gefüttert mit einem Rest gestreifter Baumwolle aus Indien. Den Reiskuchenmann hab ich per Hand aufgestickt, das ging relativ fix und hat sich als recht meditative Arbeit herausgestellt. Sollte ich vielleicht öfter mal machen. Es gäbe auch noch ganz viele Reiskuchenmänner, die sich dazu eignen würden. Hier hat sich der Reiskuchenmann-Sheriff niedergelassen - nur echt mit Grashalm, Hut und Colt. Auf den Bildern sieht man sogar noch die Reste der rosa Schneiderkreide mit der ich mir Markierungen gemacht habe - ups. 



Verschenkt ist das Täschchen bereits eine Weile und definitiv jetzt in den besten Händen. 

Stoff: Jeans, Reststück aus Indien 
Schnitt: von mir 

Montag, 6. Februar 2017

Reduce your waste #1: Abschminkpads aus Stoff

Kolkatta, India, 2012
Dass wir viel zu viel Müll produzieren von dem teilweise niemand weiß, wie wir ihn wieder loswerden sollen, ist keine neue Info. Dass unsere Meere voll mit Plastik sind , welches dort immensen Schaden anrichtet, auch nicht. Dass das Prinzip Wegwerfgesellschaft zur Müllproblematik einen großen Beitrag leistet, ist ebenso nichts Neues. Die Liste warum und wie genau die Produktion von Müll ein großes Thema ist, könnte an dieser Stelle (leider) beliebig weiter geführt werden. 
Vor allem mein Jahr in Indien und Südostasien hat diese Thematik für mich sehr greifbar gemacht. Immerhin leben wir in einem Land, in dem der Müll zumindest fein säuberlich getrennt, abgeholt, gelagert, verbrannt oder im Idealfall recycelt wird. In vielen anderen Ländern sieht das leider anders aus. Doch obwohl der Müll, den wir produzieren, uns nicht ständig vor Augen geführt wird, halte ich es doch für unbedingt notwendig, dass wir unser Verhalten hinterfragen. Denn das Prinzip "Aus den Augen - aus dem Sinn" ist in keinem Fall ein Nachhaltiges. 
Deshalb versuche ich schon seit geraumer Zeit meinen privaten Müllkonsum zu reduzieren, Rohstoffe nach Möglichkeit mehrfach zu verwenden und umzunutzen. In vielen kleinen und großen Schritten geht es den verschiedensten Alltagsbereichen an den Kragen - daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen und vielleicht kann der eine oder andere Beitrag eine Inspirationsquelle für euch sein. 
Heute geht es im Badezimmer los, das vermutlich in vielen Haushalten in puncto Müllproduktion ganz vorne mit dabei ist. Bis jetzt habe ich Abschminkpads aus Bio-Baumwolle benutzt, die für mich in zwei Punkten einen blöden Beigeschmack hatten. Zum einen sind sie in Plastik verpackt und zum anderen finde ich es schwachsinnig einen so hochwertig produzierten Rohstoff wie Bio-Baumwolle (auch wenn bio sicherlich der konventionellen Herstellung vorzuziehen ist) für ein Produkt zu "verschwenden", das in den meisten Fällen nicht einmal eine Minute lang benutzt wird und dann im Mülleimer landet. 


Jetzt habe ich mir einen Satz waschbarer Abschminkpads mit passendem Körbchen und kleinem Beutelchen für unterwegs genäht und bin super zufrieden mit meiner Lösung. Dieses Projekt habe ich gleichzeitig dazu genutzt meine Stoffrestekiste ein wenig zu entschlacken. Die Abschminkpads habe ich aus der Rückseite eines ganz kuscheligen Sweats und Jersey- und Baumwollresten genäht. Materialtechnisch geht da, glaube ich ganz vieles, wichtig ist nur, dass die "Abschminkseite" der Pads aus einem angerauten Material besteht und sich angenehm auf der Haut anfühlt. Weicher Frottee geht sicher auch wunderbar. Für das Körbchen musste eine alte Jeans und der Rest einen T-Shirts dran glauben. 
Ich wasche die Pads in einem Wäschenetz mit der normalen 40 Grad Wäsche, das funktioniert super. Ein paar dieser Sets sind bereits im Freundeskreis nachgeordert worden. 
Und ihr so? 

Schnitte: alle von mir 
Stoff: Jersey, Baumwolle und Sweat aus der Restekiste